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13.07.2009 Die elektronische Gesundheitskarte – ein digitales Desaster ?


Laut Plan der Regierung soll bis Ende 2010 bundesweit die elektronische Gesundheitskarte eingeführt werden. Aber bereits jetzt bezweifeln Experten, ob das umstrittene Modell wirklich Fuß fassen wird.
Die ursprünglich angedachte Auflage von 80 Millionen elektronischen Gesundheitskarten wird wohl kaum zur Ausführung kommen, da der Verband der privaten Krankenversicherungen bereits ankündigte, mit seinen Versicherten beim Start der Gesundheitskarte nicht dabei sein zu wollen. Somit verbleiben nur die gesetzlichen Versicherungen, was die Auflage halbiert. Aber auch bei den gesetzlichen Krankenversicherungen wird zur Zeit das Thema Gesundheitskarte sehr kontrovers diskutiert. Es ist also fraglich, ob die Krankenversicherungen eine elektronische Gesundheitskarte einführen werden. Obwohl die Regierung das Startdatum zum 1. Oktober 2009 festgelegt hat, wird unter Experten über eine weitere Verschiebung des Starttermins diskutiert.

Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte
Es sind zwei sogenannte Funktionspakete, “Versicherten-Stammdaten“ und “Mehrwert-Kommunikation“, vorgesehen. Aus technischen Gründen wird die Gesundheitskarte zum 1. Oktober diesen Mehrwert allerdings nicht erbringen können. Bei den Versicherten-Stammdaten dient die Gesundheitskarte im wesentlichen der Authentifizierung der Versicherten und enthält persönliche Versicherungsdaten wie Kassennummer, Mitgliedsnummer, Name und Adresse. Diese personenbezogenen Daten, die bisher auch schon die Versicherten-Karte beinhaltete, werden vom Arzt benötigt, damit er den Versicherten als Patienten verwalten kann.

Die Mehrwert-Kommunikation umfasst Anwendungen wie digitale Arztbriefe oder den Austausch von Röntgenaufnahmen oder anderen Untersuchungsergebnissen. Diese Daten sollen vom untersuchenden Arzt - egal ob in der Praxis oder im Krankenhaus - auf die elektronische Gesundheitskarte geschrieben werden. Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus nach einer Notfallbehandlung entlassen wird, kann der weiter behandelnde oder mit behandelnde Arzt auf alle Diagnose- und Behandlungsdaten zugreifen. Somit werden teure Doppeluntersuchungen überflüssig. Der Patient wird weniger belastet, weil bestimmte Untersuchungen - Röntgenaufnahme oder Darmspiegelungen - nicht zweimal durchgeführt werden müssen. Der weiter behandelnde Arzt muss somit nicht darauf warten, dass ein Arztbrief oder ein Untersuchungsergebnis per Post eintrifft.

Technische Probleme
Einstweilen haben sich aber technische Probleme dadurch ergeben, dass die Mehrwert-Kommunikation mit der Gesundheitskarte nicht in vollem Umfang statt findet. Schwierigkeiten mit den implementieren Funktionen des Notfalldatensatzes und dem elektronischen Rezept haben dazu geführt, dass der Testlauf mehr als unbefriedigend verlief. Darüberhinaus tauchten Probleme mit der digitalen Signatur für die Unterschrift des Arztes auf sowie des digitalen Wasserzeichens, das ein mutwilliges Verändern von Patientendaten unmöglich machen soll. Als Grundproblem stellte sich dabei heraus, dass die verschiedenen Verwaltungssysteme der Praxen und Krankenhäuser nicht entsprechend ausgerüstet sind, um diese implementieren Funktionen ohne weiteres aufnehmen zu können. Es ist erforderlich, dass sich alle beteiligten auf ein Verfahren einigen müssen, um das Modell durchzuführen. Ob das bis zum 1. Oktober 2009 gelingt, ist allerdings mehr als fraglich.

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